Cham – Ghetto Story

Ghetto Story - CoverMehr als den größten Hit der Saison hat es nicht gebraucht, um den langerwarteten zweiten Longplayer von Baby Cham an den Start zu bringen. Im Fahrwasser des epochalen “Ghetto Story” kommt nun also das sinnigerweise gleichnamige Album, Chams Debüt beim Major-Label Atlantic, auf den Markt, für das er das “Baby”-Präfix offiziell über Bord geschmissen hat. Die Erwartungen an den Deejay mit dem “Quality over quantity”-Output sind hoch.

Ähnlich wie das erste Album, “Wow… The Story” dient auch “Ghetto Story” dazu, Chams Wirken über die letzten Jahre zusammenzufassen und mit neuem Material zu ergänzen. Als Produzent zeichnet natürlich Chams kreativer Ziehvater, der legendäre Madhouse-Majordomus Dave Kelly verantwortlich, und das bewirkt gleich zwei große Pluspunkte des Albums: erstens sind die Produktionen durchweg auf (gewohnt) hohem Niveau, und zweitens eint damit ein roter Faden die Riddims des Albums, das konsistenter wirkt als die Single-Compilations anderer Mitspieler der obersten Deejay-Liga. Wieder versuchen sich Cham und Kelly hier und da am Crossover in Richtung (Yard-)HipHop, bewahren aber immer einen Dancehall-Vibe – “bringing the mainstream to Cham rather than the reverse”, wie ein US-Kommentator schrieb. “Ghetto Story” eröffnet das Album, und ist noch in zwei weiteren (eher überflüssigen) Versions, mit Alicia Keys bzw. Akon vertreten. Im weiteren Verlauf wechselt die Stimmung dann zwischen ruffen Hardcore-Nummern und eher slickem Material. Der massive Remix von “Bring It On” etwa – eine Art Eighty Six-Riddim – oder die grummelnden, kompromisslosen Gun-Tunes “Tic Toc” und “Wha Dem A Seh Now” repräsentieren die dunkle Seite des Spektrums. “Boom Boom” mit Rihanna, “Love It Like That”, “Fat Punaany (Hottie Hottie Girl)” oder das altbekannte “Vitamin S” hingegen sind eher leichtgewichtige Swinger. Mit dem relaxten und an glorreiche Joyride-Zeiten gemahnenden “Rude Boy Pledge” auf dem neuen, großartigen “Stage Show”-Riddim schließlich setzen Cham & Kelly ihre mit dem Eighty Five-Riddim eröffnete Retro-Bewegung fort, ohne dabei in Nostalgie zu erstarren. Ein besonderes Highlight ist der Bonus-Track “Bad Mind” – zwar bereits vier Jahre alt, aber damals kriminell unterschätzt, ein Tune, der die Kreativität des Madhouse-Outputs aufs Trefflichste widerspiegelt.
Zu kritiseren gibt es wenig. Ein bißchen zu oft vertraut das Album auf Refrains namenloser Chanteusen; zumal, da Cham selbst die Fähigkeit, Ohrwurm-Hooklines abzuliefern, mehrfach unter Beweis gestellt hat. Zudem sind ein, zwei Tunes des Albums wenn nicht schlecht, so doch etwas uninspiriert geraten. Insgesamt aber ist “Ghetto Story” ein hervorragendes, originelles Album geworden und dürfte am Ende zu den Besten dieses Jahres gehören.
[ Cham-Website bei Atlantic Records ]
[ Website von Madhouse Records ]