Release-Roundup

Neue Alben von Jahcoustix – Sebastian Sturm – Sly & Robbie – Tony Tuff – Single & Mixtape aus der Schweiz

JahcoustixDer Sänger Jahcoustix veröffentlicht Ende Oktober mit “Grounded” sein zweites Soloalbum nach “Colourblind” aus dem Jahr 2004. Der Name ist weiterhin Programm; Roots-Reggae mit starkem akkustischem (Gitarren-)Einschlag, geback von der “Dubious Neighbourhood”-Band, und Texten, die sich vor allem um spirituelle Themen drehen. Viel Routine ist dabei zu spüren und für Fans des Genres bzw. des Sängers ist das Album sicher interessant. Allerdings ist die Platte eben auch bewusst sehr traditionell orientiert – Progressives oder revolutionäre Neuerungen sollte man (mit Ausnahme des leicht arabisch gefärbten “Salam Aleikum” vielleicht) nicht erwarten.

Sebastian SturmIn die gleiche Kerbe schlägt auch das Debut von Sebastian Sturm, betitelt mit “This change is nice”. Auch hier gibts Roots, Roots, und weil’s so schön war noch ein wenig mehr Roots. Der Sänger hat durchaus Talent, auch die Produktion ist nicht übel, aber ein wenig, nun ja, bekannt wirkt das schon alles in allem. Sei’s drum auch hier könnte Fans fündig werden, und von einem Debut-Album muss man ja auch nichts Revolutionäres erwarten. Dennoch täte ein wenig mehr Dampf vielleicht gut.

Tony TuffNeben diesen beiden Youngstern meldet sich auch ein Veteran zurück. Winston Morris, a.ka. Tony Tuff veröffentlicht mit “Say Something” sein neues Album beim umtriebigen Minor7Flat5-Label. Mit seiner Stimme scheint er immer pfleglich umgegangen zu sein, sie klingt weiterhin ganz großartig. Riddim-technisch bewegt sich das Album natürlich größtenteils im Lovers- und Modern Roots-Segment, wobei ein paar kleine Ausflüge ebenfalls dabei sind, wie man sie schon von anderen M7F5-Alben kennt. Das Backing unter der Regie von Brotherman und der Mitwirkung u.a. der Firehouse Crew lässt wenig Wünsche offen. Auch hier wird das Rad keineswegs neu erfunden, aber dennoch klingt das Album eine gute Spur frischer als die beiden vorgenannten. “Souveränes Alterswerk” sagt man da wohl.

Sly & RobbieFür Progressives waren die “Riddim Twins” Sly & Robbie hingegen immer zu haben; nichts, was sie musikalisch nicht ausprobiert hätten, und sei es nur um des “schöner Scheiterns” willen. Und so eröffnet ihr neues Album “Rhythm Doubles” denn auch gleich mit einer Salsa-esken Version des “Rockfort Rock”-Riddims, geht mit einem verspulten HipHop Tune zusammen mit Wyclef Jean und Bounty Killer weiter und hält diesesn experimentierfreudigen Vibe durchgehend. Ein seichter Partybouncer featuring Sugar Roy & Conrad Crystal sowie Yellowman? Kein Problem! Ein percussives Etwas mit T.O.K.? Machen wir! Dazwischen aber immer wieder “normales” Material wie der letztjährige Hit “There For You” mit Beres Hammond und Annette Brissett oder ihr “Keep That Light”-Relick, hier in der Version mit Abijah. Ein abwechslungsreicheres Reggae-Album dürfte dieses Jahr nicht erscheinen, und manches (oder, je nach Geschmack, vieles) geht schief, aber vieles eben auch auf, und vielleicht ist irgendwo auf dem Album auch der nächste Dancehall-Trend versteckt und Sly & Robbie waren mal wieder als erste da – gleich, ob ihnen jemand folgt oder nicht.

Schließlich kommt noch zweimal Reggae aus der Schweiz. Einerseits die Single “I Feel Like Dancing” des Sängers Lee Everton auf dem Slingstyle-Label – gut produzierter und hörbarer, sehr zurückgenommener Lovers Rock.
Andererseits, und darauf sei abschließend als besonderes Schmankerl verwiesen, etwas für alle Mixtape-Fans: Selector Herbal G von der Baddis Crew hat einen Early Dancehall-Mix zusammengestellt, der auf 3 (!) CDs von den späten 80ern bis in die frühen 90er Jahre reicht und dank einer feinen Mischung aus Riesenhits und eher unbekanntem Material sowohl für Neulinge als auch für Reggaeprofessoren interessant sein dürfte – absolut empfehlenswert!